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TrauerUNzeige

4 Tage nach der Beerdigung steht eine Traueranzeige in der Zeitung, bei der auch meine Tochter und ich namentlich aufgeführt sind, ohne dass vorher darüber mit uns gesprochen wurde. Die Anzeige enthält eine Liste mit Namen enger Verwandter, die allesamt weder in der Trauerkarte noch in der Todesanzeige einzeln aufgeführt waren, womit ich auch kein Problem hatte, weil ich mich unter dem Begriff „Enkel“ durchaus wiederfinden konnte. Genaugenommen war mir aber auch dies völlig schnurz, weil ich traurig bin, dass mein Opa nicht mehr lebt und ihn keine Anzeige der Welt wieder zurückbringen kann.

Bei dieser Anzeige geht es um vieles, aber nicht darum, seine Trauer über den Tod eines geliebten Menschen auszudrücken. Zwischen den Zeilen ist von dem Streit zwischen dem Verstorbenen zu zweien seiner drei Kinder zu lesen. Ein Streit, der sich bis zum Tod nicht bereinigen ließ, weil keine der Parteien bereit war, auf die andere zuzugehen.

Allein der Hinweis, dass die genannten Menschen „auch“ trauern, gibt genau den Wortlaut meines Vaters wieder und zeigt Verbitterung darüber dass sich die Streithähne übergangen fühlten, weil sie in der Trauerkarte nicht genannt wurden. Im Gegensatz zum namentlich aufgeführten Bruder hätten sie sich im weitesten Sinne unter „Anverwandte“ wiedererkennen können.

Und jetzt sitze ich hier und heule, weil ich mir die scheinbar heile Familienwelt meiner Kindheit zurückwünsche – die Schattenseiten hatte ich großzügig vergessen.

Stunden später…

Die Ereignisse haben sich überschlagen.

Nachdem ich die Traueranzeige gelesen hatte, wartete ich eine zeitlang um mich abzuregen und schrieb dann eine Mail, die sich an meinen Vater, meinen Onkel und meine Tante zugleich richtete.

Ich bat darum, dass es künftig mit mir abgestimmt werden sollte, bevor in meinem Namen etwas geschieht. Und weil ich nervlich gerade am Krückstock gehe (das schrieb ich so allerdings nicht), bat ich aus gesundheitlichen Gründen darum, mich künftig aus Streitigkeiten herauszuhalten, die mich nicht unmittelbar betreffen. Weiter schrieb ich, dass ich es unabhängig davon aber schön fände, wenn lose oder sogar zerrissene Familienbande gestärkt oder sogar neu geknüpft werden könnten.

In der Antwortmail meiner Tante (wir haben seit Jahren keinen Kontakt mehr) stand, dass es nicht sein könne, dass sie mich als einzige um Erlaubnis hätte fragen müssen zumal das ganze schließlich mit meinem Vater so abgesprochen gewesen sei. Für mich heißt das, das auch von meinen Cousins und Cousinen mitsamt Kindern und meiner anderen Tante und ihrem Lebensgefährten vermutlich auch niemand gefragt wurde. Es weist in der Ausdrucksweise auch einiges darauf hin. Außerdem stand in der Mail, dass gerade diese Anzeige als Familie aufgegeben worden sei und ich mich mit meiner Aussage davon ausschließe. Sie werde mich nicht mehr behelligen schreibt sie und wünscht mir noch alles gute für meine Zukunft. Wenn diese Anzeige jedoch tatsächlich im Namen der Familie aufgegeben wurde, hat sie allerdings großzügig und als einzigen in der langen Liste von Namen meinen Onkel nebst Frau und Kindern vergessen.

Ich nehme das jetzt so für mich an und weiß nur, dass ich dringend Ruhe brauche. In diesen Familienkleinkrieg möchte ich nicht reingezogen werden. Aber genau das funktioniert nicht. In unserer Familie gibt es Fronten und wer sich nicht entscheidet, der steht eben dazwischen und gehört nirgendwo hin. Eigentlich ganz einfach.

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