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Bock – alles andere ist Wurst

„Warum tu ich mir das an?“ denke ich mal wieder und ziehe meinen Bauch so weit ein, dass mein Bauchnabel eigentlich auf dem Rücken schon wieder rauskommen müsste – zumindest fühlt es sich so an. Immerhin lässt sich nun endlich der Haken am Hosenbund in der dafür vorgesehenen Öse befestigen. Den Reißverschluss lasse ich offen, so weit reicht mein Ehrgeiz nicht. Dann kommt der Moment, in dem ich gezwungenermaßen atmen muss. Es funktioniert und mein Bauch wird nichtmal so gequetscht, dass mir davon schlecht werden könnte. Die Metallöse scheint auch stabil genug zu sein. Lässig trage ich das T-Shirt über meiner halboffenen Hose und bilde mir ein, dass das niemand merken wird, wenn ich erst die Jacke angezogen habe.

In den Jackentaschen befindet sich nichtmal mehr Luft und sämtliche Klettbänder sind an ihren Grenzen angelangt. Widerwillig lässt sich schließlich auch die Jacke schließen, gestattet mir aber kein tiefes Durchatmen mehr. Das muss einfach nochmal so gehen, eine Alternative gibt es momentan nicht. Wie gut, dass zumindest die Stiefel, Handschuhe, das Halstuch und der Helm noch passen. Aber das ändert letztlich auch nichts daran, dass ich mich in meiner Kleidung wie eine Presswurst fühle und mich frage, ob ich überhaupt noch die nötige Bewegungsfreiheit habe, um mich auf das Moped schwingen zu können.

Doch entgegen aller Befürchtungen funktioniert es ohne nennenswerte Einschränkungen. Dann der übliche Ablauf. Ein kurzes Innehalten und sortieren. Wie ging das nochmal? Und schon geht es los.  Das Zusammenspiel von Kupplung, Schalten und Gas funktioniert. Bremstest positiv. Die ersten Linkskurven sind genommen. Leichter Fahrtwind kriecht durch die geöffneten Belüftungsschlitze meiner Jacke. Tiefflieger klatschen gegen mein Visier und lassen am Rand gerade noch eine gelbe Schleimspur zurück. Gelegentlich knallt mir auch mal ein fetter Brummer mit einem energischen „Klonk“ gegen den Helm oder meine Kleidung. Doch das passiert genauso schnell, wie ich es wieder vergessen habe. Endlich vergesse ich auch das Presswurst-Feeling und schließlich mich.

Die Maschine und ich – aus ihr und mir wird eins. Wir scheinen miteinander verwachsen zu sein. Sie schaltet mich übergangslos und passend zu ihrer Geschwindigkeit. Die Kurven fühlen sich gut an. Locker hinein in die wundervolle Schräglage und ebenso locker wieder daraus auftauchen. Meine Hüfte schwingt als kleine Albernheit das Moped spielerisch um die Fahrbahnmarkierungen. Wir tanzen über die sonnendurchfluteten Straßen und wann immer wir andere Tänzer sehen, nehmen wir sie freudig wahr und heben zum Gruß meine linke Hand.

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