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06. Zeitzeugen – Gesetz der Serie

Dieser intensiv genutzte und bereits mit Tesafilm geklebte Zeitzeuge fiel mir vor einigen Jahren in die Hände. Es handelt sich hierbei um die 11. vermehrte und verbesserte Auflage eines Kochbuchs der Maggi-Gesellschaft, Berlin W 35. So steht es geschrieben, in altdeutscher Schrift, die ich immerhin mit etwas Anstrengung noch lesen kann.

Das Buch richtet sich explizit an die Hausfrau und gekocht wurde noch bei kleiner Flamme auf dem Feuer, während die Gans in den Bratofen geschoben wurde. Frikadellen hießen noch Klopse, Nudeln waren Teigwaren und soeben entdecke ich das Rezept einer Einlauf-Suppe, von der ich gar nicht wissen möchte, wie man sie zu sich nimmt. Namentlich besser gefällt mir da schon der Rapunzelsalat, der glücklicherweise nicht aus Haaren sondern aus Feldsalat gemacht wird.

Eigentlich ein schönes Rezeptbuch mit Erprobten Kochrezepten unter Verwendung nur solcher Zutaten, die im Haushalt meist vorhanden oder je nach Jahreszeit reichlich zu haben sind, wie es eingangs gleich heißt. Kein unnötiger Schnickschnack wie Nährwert- und Kalorienangaben, keine zusätzliche CO2-Belastung weil exotisches Gemüse eingeflogen werden müsste, dafür zur Vereinfachung die Verwendung von Maggi-Suppenwürfeln und Maggi-Würze.

Dieses Buch hat nicht nur im Regal herumgestanden, sondern wurde mit einem in Sütterlin auf einen Zettel geschriebenen Spritzgebäck-Rezept, ausgeschnittenen Zeitungsrezepten und leeren Vanillezuckertütchen-Rezepten ergänzt und persönlich aufgewertet. Und so mancher kleine Fleck in dem Buch könnte Auskunft darüber geben, welches der enthaltenen Rezepte in welchem Jahr des vergangenen Jahrhunderts ausprobiert wurde.

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  1. 18. Juni 2011 um 12:21

    Sehr, sehr schön! Kommt das Buch aus Franken? Ich kenne sowohl Einlauf-Suppe als auch Rapunzelsalat (fränkisch: Rewinserla 😉 )

    Grüße zum nassen Wochenende!

    • himbeerbel
      18. Juni 2011 um 12:37

      Wer weiß, wer die Rezepte seinerzeit zusammengestellt hat und wo das Buch schon überall war… In dem Buch selbst steht darüber nichts und sogar die Maggi-Werbung ist für heutige Verhältnisse angenehm zurückhaltend.

  2. 18. Juni 2011 um 13:07

    Wegen der Ausgewogenheit: Ich habe hier eins von Dr. Ö, Erstdruck 1910: „Die Hausfrau tut gut daran, Bier und Wein vom Mittagstisch verschwinden zu lassen“. UFF!
    Eben, eben: Männersache!

    • himbeerbel
      18. Juni 2011 um 17:39

      Auslegungssache…Dafür liegt dann die aufopferungsvolle Hausfrau unter dem Mittagstische 😉

  3. 19. Juni 2011 um 23:25

    oooh ich mag solche dinge. ich frag mich immer, wer wohl die vorbesitzer waren und was die wohl so gedacht haben, etc. schöne serie, schöne idee, schöne umsetzung!

  4. 20. Juni 2011 um 08:44

    Solche alten Bücher sollte man auch gut weglegen und aufpassen, dass sie nicht kaputt gehen.

  5. 20. Juni 2011 um 09:26

    So etwas zu besitzen, zu befühlen, zu riechen, anzuschauen, die Tütchenrezepte, all das ist ein Sinnenerlebnis der eigenen Art. Ich wollte es nicht vermissen. Wie kann man sich durch Kochbücher geborgen und heimeliger in der Welt fühlen….keine Ahnung….bei mir ist es einfach so. Vielleicht bei Dir auch. Gruß von Sonja

    • himbeerbel
      20. Juni 2011 um 13:36

      Auch wenn ich eine recht moderne Oma hatte, muss ich bei einem alten Kochbuch unweigerlich an sie denken. Sie hat mit Vorliebe für unsere ganze Sippe gekocht und gebacken und dadurch die Familie zusammengerufen und zusammengehalten. Sie konnte wirklich dafür sorgen, dass man sich geborgen und heimelig fühlt. Es war eine schöne Zeit.

  6. 22. Juni 2011 um 12:51

    Eine tolle Idee zum Thema! Gefällt mir! VG, Sandra

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